Die Differentialrechnung ist eine Entdeckung des
17. Jahrhunderts, sie wurde sofort mit großer Begeisterung in
der Scientific Community
dieser
Zeit aufgenommen und löste einen gewaltigen Entwicklungsschub in
Mathematik, Naturwissenschaft und Technik aus. Für die Mathematik
begann ein neues, ein goldenes Zeitalter, das im 18. Jahrhundert durch
die bahnbrechenden Arbeiten Leonhard Eulers einen Höhepunkt fand.
Entwickelt wurde die Differentialrechnung unabhängig voneinander
von Isaac Newton und Gottfried Wilhelm Leibniz.
 Sir
Isaac Newton wurde am 4. Januar 1643 in Woolsthorpe, England, geboren
und starb am 31. März 1727 in London. Er stammte aus einer einfachen
Farmer Familie, sein Vater Isaac starb wenige Monate vor seiner Geburt.
Die Mutter heiratete ein zweites mal und brachte es sogar zu einigem
Wohlstand, doch Newtons Beziehung zu seinem Stiefvater Barnabas Smith
war überaus schlecht, und so wuchs Newton mehr oder weniger als Waise
auf. Sein Onkel William Ayscough kümmerte sich um seine Erziehung und ermöglichte ihm ein Studium am Trinity College
in Cambridge. Sein ursprüngliches Ziel Rechtswissenschaften zu
studieren gab Newton bald zugunsten der Naturwissenschaften und
Mathematik auf. 1669 wurde Newton als Professor auf den Lucasian Chair
des Trinity College berufen, 1672 zum Fellow der Royal Society gewählt.
1687 veröffentlichte Newton sein Hauptwerk Philosophiae Naturalis
Principia Mathematica, es gilt mit Recht als eines der bedeutendsten
Werke, das Menschen jemals verfaßt haben. Newton entdeckte, dass die
Differentialrechnung gerade die Umkehrung der Integralrechnung war und
entwickelte eine stark geometrisch orientierte Method of Fluxions, mit
der er in der Lage war, Tangenten an Kurven, Maxima und Minima von
Funktionen, Bogenlängen von Kurven u.a. zu bestimmen. In der ersten
Auflage der Principia findet
sich noch der Hinweis, dass Leibniz im Besitz einer ähnlichen Methode
sei, in der dritten Auflage fehlt dieser Hinweis. Dahinter steckt ein
unschöner Streit darum, wem denn nun tatsächlich die Urbeherschaft der
Ruhm um die Entdeckung der Differentialrechnung zustehe. Newton
und Leibniz selbst beteiligten sich nur indirekt an dieser
Auseinandersetzung. Doch jeder der beiden hatte eine große Schar von
Bewunderern und Verehrern, die diesen Streit mit einiger Heftigkeit
austrugen und dabei auch nicht zögerten, sehr persönlich und
beleidigend zu werden.
Gottfried Wilhelm Leibniz wurde am 1. Juli 1646 in Leipzig geboren und starb am
14. November 1716 in Hannover. Er stammte aus gutbürgerlichen
Verhältnissen. Vater Friedrich Leibniz war Professor für
Moralphilosophie an der Universität Leipzig, Mutter Catharina Schmuck
Tochter eines angesehenen Rechtsanwalts. 1661, im Alter von nur 14
Jahren immatrikulierte Leibniz an der Universität Leipzig
und studierte Philosophie, Rechtswissenschaften und Mathematik. 1666
habilitierte er sich in Philosophie mit einer mathematischen Arbeit.
Studienaufenthalte in Paris und London folgten. Um 1673 begann Leibniz
seine Methode der Differentialrechnung zu entwickeln. Im Gegensatz zu
Newton war sein Ansatz arithmetisch orientiert und beruhte auf dem
Rechnen mit infinitesimalen Größen, das sind Größen, die als unendlich klein
betrachtet werden. Die noch heute gebräuchliche
Differentialschreibweise dx stammt ebenso von Leibniz wie das
Integralsymbol \x{222B} f(x)dx, das er in Anlehnung an den Buchstaben S für
Summe auswählte. 1684 veröffentlichte Leibniz das Werk Nova
Methodus pro Maximis et Minimis, itemque Tangentibus, in
dem seine Ideen zur Differentialrechnung systematisch dargestellt
werden. Leibniz beschäftigte sich auch intensiv mit dem Lösen linearer
Gleichungssysteme, dafür entwickelte er eine Methode, die auf dem
Gebrauch von Determinanten beruhte. Er erfand das binäre Zahlensystem
und studierte seine Arithmetik und widmete sich auch intensiv der
Entwicklung einer Rechenmaschine.
Leonhard Euler wurde am 15 April 1707 in Basel geboren und verstarb am
18. September 1783 in St. Petersburg. Euler studierte an der Universität Basel
zunächst Philosophie, Theologie und Medizin. Erst 1723 begann er mit
seinen Mathematikstudien bei Johann Bernoulli, der ein Freund seines
Vaters war. Schon sehr früh kam seine außerordentliche mathematische
Begabung zum Vorschein. 1727 reichte er im Rahmen eines Wettbewerbs der
Parisier Akademie der Wissenschaften eine Arbeit über die optimale
Anordnung von Masten auf einem Segelschiff ein und gewann damit den 2.
Preis. 1727 erhielt er einen Ruf an die von Katharina I. neu gegründete
Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. In den ersten drei
Jahren seines Aufenthalts in Russland dient er als Arzt in der
russischen Marine. 1730 wurde erschließlich Professor für Physik an der
Petersburger Akademie. 1741 nahm er ein Angebot Friedrichs des Großen
an und übersiedelte an die Preussische Akademie der Wissenschaften in
Berlin, an der er die nächsten 25 Jahre verbrachte. In dieser Zeit
veröffentlichte Euler mehr als 380 Arbeiten in Mathematik, Physik,
Astronomie, Schiffsbau und nautischer Navigation. 1766 kehrte er an die
Petersburger Akademie zurück. Kurz nach seiner Rückkehr verlor er sein
Augenlicht vollständig, nachdem er bereits 1735 wahrscheinlich als
Folge einer Starerkrankung auf dem linken Auge erblindet war. Dies
konnte Eulers Schaffenkraft jedoch nicht hemmen. Er setzte seine
Forschungen fort und diktierte seine Arbeiten seinen Kindern, von denen
er immerhin 13 hatte. In der Nacht des 18. September 1783 verstarb
Euler an den Folgen eines Schlaganfalles.
Euler gilt zurecht
als einer der größten, einflußreichsten und produktivesten Mathematiker
aller Zeiten. Er veröffentlichte mehr als 500 Bücher, seine
Bibliographie umfaßt insgesamt 886 Arbeiten. Die moderne Mathematik hat
viele der Euler eingeführten Schreibweisen beibehalten. Von Euler
stammt unter anderem die Schreibweise f(x) für Funktionen, das Symbol e
für die Basis der natürlichen Logarithmen und das Symbol \x{2211} für
Summen.
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